Das Narrenschiff

Sonntag 04.07.2021 18:00 Uhr
Karl Markovics – Rezitation Ensemble Leones – Musik

Ruine Dobra
3594 Franzen
Waldviertel

 

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Klar Schiff Richtung Narragonia! Der Autor Sebastian Brant gilt als Begründer des deutschen Humanismus. Im Zentrum seines Nachruhms steht die 1494 veröffentlichte Moralsatire „Das Narrenschiff“. Verfasst von einem vielseitigen wie vielbeschäftigten Humanisten: Strassburger Jurist, Professor für Rechtswissenschaften an der Universität Basel, Stadtsyndikus und Kanzler der Freien Reichsstadt Strassburg. Neben lateinischen Andachtslyriken war er als Wurzel seines geistigen Schaffens eben auch Herausgeber von antiken Klassikern und Schriften lateinischer Humanisten.

„Das Narrenschiff“, eine Schiffsallegorie. Die Spürnase des Narren zieht sich durch die 112 Kapitel und löst den Anker. 109 Narren besteigen das Schiff und machen sich auf die Reise nach „Narragonien“. Nicht Parsifal der reine Tor, die Torheit selbst enthäutet sich als Narrheit. Es ist vielmehr die sich nicht einstellende Einsicht in die realen Anforderungen des Lebens. Der Törichte „ist der Mensch, der sich seinen fragwürdigen Neigungen ergibt, etwa dem Quacksalbertum oder der Prozesssucht, den Modetorheiten oder dem Reliquienhandel frönt. Torheit und sittliche Unvollständigkeit sind im Narren vereint.“ Die Parallelen zur Gegenwart werden die feinen Nuancen in der Stimme von Karl Markovics in den Köpfen der Zuhörerinnen und Zuhörer genüsslich zur Schau stellen. Dem gegenüber, selbst bei Sebastian Brant, der nach Wissen und Vernunft strebende Mensch. Ein Holschnitt der humanistischen Selbsterfahrung. Tiefe Furchen, die dem Lachen ein Rinnsal erlauben.

Der dritte Abend zu Brants „Narrenschiff“ (Basel, 1493) steht ganz im Zeichen der maximilianischen Musik um 1500: der Reformator Ambrosius Kettenacker hinterließ ein Liederbuch aus seiner Studienzeit in Basel, das ein mehrstimmiges Repertoire mit deutschen und internationalen Hits dieser Zeit enthält. Leones spielt Liedsätze, die ins Umfeld von Kaiser Maximilians Hof gehören, aber auch am Oberrhein rund um Basel gesammelt und gesungen wurden, darunter viele lustige Lieder, die sich auch um „Bulschaft“, „Torheit“ und „Trunkenheit“ drehen.

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass am Veranstaltungsort Fotos und/oder Videos angefertigt und zu Zwecken der Dokumentation der Veranstaltung veröffentlicht werden können.

Karl Markovics

– Rezitation

Karl Markovics begann seine Laufbahn 1982 am Wiener Serapionstheater. Ab 1985 trat er in Michael Schottenbergs „Theater im Kopf“ ebenso wie in Karl Welunscheks legendärem „Wiener Ensemble“ auf.

Seine erste Filmrolle übernahm Markovics 1991 in dem Kinofilm «Hund und Katz» von Michael Sturminger. 1993 spielte er den Kirchingerwirt in Paul Harathers tragikomischem Roadmovie «Indien».

Einem breiteren Publikum wurde der zweifache «Romy»-Preisträger als Bezirksinspektor Stockinger, zuerst in der österreichischen Krimiserie „Kommissar Rex“, danach in der Spin Off-Serie «Stockinger» bekannt.

Es folgten zahlreiche Film-und Fernsehrollen, u. a. in „Drei Herren“, „Hinterholz 8“, „Late Show“, „Komm, süßer Tod“, „Franz Fuchs – ein Patriot“ und in über 50 weiteren nationalen und internationalen Produktionen. So spielte Karl Markovics an der Seite von Liam Neeson im Thriller „Unknown Identity“, zusammen mit Harvey Keitel und Ralph Fiennes in „The Grand Budapest Hotel“ oder im Vorjahr unter der Regie von Terrence Malick in dessem neuesten Werk „Radegund“.

Die Hauptrolle des Salomon Sorowitsch in Stefan Ruzowitzkys Film „Die Fälscher“ (2007), der 2008 als bester fremdsprachiger Film mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, war Markovics’ bislang größter internationaler Erfolg.

2009 war er zusammen mit anderen österreichischen Filmschaffenden Mitbegründer der Akademie des Österreichischen Films. 2011 gab er mit dem Spielfilm «Atmen“ sein Debüt als Regisseur und Drehbuchautor. Die Produktion mit Thomas Schubert in der Hauptrolle wurde in die Reihe „Quinzaine des réalisateurs“ der 64. Filmfestspiele von Cannes eingeladen, mit 40 internationalen Preisen ausgezeichnet, sowie 2012 mit 6 Österreichischen Filmpreisen ausgezeichnet.  Sein zweiter Kinofilm „Superwelt“, mit Ulrike Beimpold in der Hauptrolle, hatte 2015 bei den 65. Filmfestspielen von Berlin seine Welturaufführung.

Neben seiner Arbeit vor und hinter der Kamera tritt Karl Markovics in den letzten Jahren vermehrt als Interpret von musikalisch-literarischen Programmen auf. So bestritt er gemeinsam mit dem Akkordeonisten Kszysztof Dobrek und dem Geiger Aliosha Biz den Abend „Meine Winterreise“ im Gläsernen Saal/Musikverein, oder stand zusammen mit dem Ensemble Barucco in der Produktion „The King Arthur Seance“ von Helmut Jasbar auf der Bühne des Theaters an der Wien.

Ensemble Leones

– Musik

Besetzung Klangraum Dobra 2021:
Sabine Lutzenberger – Gesang
Matthieu Romanens – Gesang
Baptiste Romain – Fidel, Rebec, Dudelsack
Caroline Ritchie – Viola d’arco, Renaissancegambe
Marc Lewon – Laute, Quinterne, Gesang; Leitung

Das auf Frühe Musik spezialisierte Ensemble Leones hat sich unter Leitung von Marc Lewon über die Jahre einen exzellenten Ruf bei Publikum und Fachpresse erarbeitet.

Hier sind ausnahmslos Spezialisten am Werk, die ihre Arbeit durch genaue Kenntnis der originalen Quellen und eine verinnerlichte Vertrautheit mit den historischen Musikstilen untermauern und ihre Konzerte gleichzeitig zu einem virtuosen und lebendigen Klangerlebnis machen.

Ein Markenzeichen ist die Entdeckung bislang unbekannter Werke aus Mittelalter und Renaissance. Hier setzt das Ensemble Leones mit Pionierarbeit und Neuinterpretationen in ihren Konzerten und von der Kritik ausgezeichneten CD-Einspielungen – Preisträger des International Classical Music Awards 2016 – neue ästhetische Akzente.

Das Ensemble, dessen Mitglieder unter anderem der Talentschmiede der Schola Cantorum Basiliensis, der berühmten Schweizer Hochschule für Alte Musik entstammen, konzertiert mit großem Erfolg auf den Bühnen renommierter Festivals wie dem Stockholm Early Music Festival, dem Heidelberger Frühling, RheinVokal, den Niedersächsischen Musiktagen, Oude Muziek Utrecht, oder AMUZ/Laus Polyphoniae in Antwerpen.

www.leones.de
www.facebook.com/ensemble.leones