Der Ring

Samstag 03.07.2021 20:30 Uhr
Wolfram Berger – Erzählung Ensemble Leones – Musik

Ruine Dobra
3594 Franzen
Waldviertel

 

 Einzel-Karten kaufen
→ 3-Tages-Pass kaufen

Bei „Der Ring“ denkt man, die Stimme von Wolfram Berger hörend, frei assoziativ und frech gleich an Ringelnatz. Joachim Ringelnatz war Schriftsteller, Kabarettist und Maler. Pointiert und mitten in den beschriebenen Brüchen bewegt sich Wolfram Berger auch in „Aus dem Leben Hödlmosers“ von Reinhard P. Gruber, „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil oder „Der brave Soldat Schwejk“ von Jaroslav Hašek.

Preisgekrönte Hörbucher mit der unverwechselbaren Stimme von Wolfram Berger. Eine Steilvorlage für das satirisch-didaktische Reimgedicht „Der Ring“ von Wittenweiler. Das Heldenepos erfährt seine gnadenlose Umkehrung. Der Ring als Symbol für den Lauf der Welt: „Ein puoch, daz ist der Ring genant (Mit einem edeln stain bechlait)/ Wan es ze ring umb uns beschait/ Der welte lauff“. Nicts weniger als der Weltenlauf wird beschrieben. Das Lehrgedicht ist um 1410 im Umfeld des Bischofs von Konstanz, Albrecht Blarer entstanden. Die 9699 Reimpaarverse gelten als Enzyklopädie des menschlichen Lebens: Die Lehre über Turniere, die Lehrer der Minne, den Schülerspiegel oder die Tugendlehre. Der junge Mann Bertschi, ein Träumer mit hoffärtigen Gedanken, löst immer wieder ungewollt groteske Situationen aus. Diese führen zu Krieg und damit zur Verwüstung seines Heimatdorfes. Er endet „heldenhaft“ als Einsiedler, konterkariert das moralische Gepräge seiner Zeit. Der närrische Bertschi schlägt den Rittern der Artus-Tafel ein bitter-böses Schnippchen, liebt sein Mädel Mätzeli und treibt damit ein verrückt tragikomisches Spiel voran: „Sie war vollkommen – nämlich vollkommen lahm – und sie hinkte, ihre Zähne und Händchen waren kohlschwarz und ihr Mündlein war so rot wie der Sand am Meer.“ Die Welt als Realsatire – aktueller könnte gassenverruchter Medienkonsum nicht sein. Die paar Jährchen zwischen „Der Ring“ von Wittenweiler und dem pandemiegeplagten Heute treffen sich in Dobra.

Für den zweiten Abend zu Wittenwilers „Ring“ (Konstanz, ca. 1416) spielt das Ensemble Lieder aus der späten Neidhartüberlieferung des 15. Jahrhunderts kontrastiert mit Liedern Oswalds von Wolkenstein und anderen Musikstücken aus der Zeit des Konstanzer Konzils (1414–1418). „Der Ring“ entstand genau hier zu dieser Zeit und zitiert sogar Neidhart und seine Bauerngesellen, so dass Text und Musik ganz eng ineinandergreifen. Oswald war am Konstanzer Konzil und hat Lustiges und Derbes beizutragen. Hinzu kommt ein wenig Polyphonie, die gerade von englischen und französischen Hofkapellen ans Konzil gebracht wurden.

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass am Veranstaltungsort Fotos und/oder Videos angefertigt und zu Zwecken der Dokumentation der Veranstaltung veröffentlicht werden können.

Wolfram Berger

– Erzählung

Wolfram Berger wurde 1945 in Graz geboren und war nach seiner Schauspielausbildung zunächst am Grazer Schauspielhaus engagiert, es folgte eine Bilderbuchkarriere mit jeweils mehrjährigen Engagements  in Basel, Zürich, Stuttgart und Bochum.
Seit 1980 arbeitet er als freischaffender Schauspieler, Regisseur, Kabarettist, Sänger, Entertainer und Produzent bei Film, Theater, Radio und TV.

Er wurde für seine Tätigkeit mehrfach ausgezeichnet: 
Kabarettpreis „Salzburger Stier“ 1997, „Schauspieler des Jahres“ ORF 2001, „Nestroy 2004“ mit Kabinetttheater Wien, Preis der deutschen Schallplattenkritik 2008 und 2010 (“Verdi” und “Wölflisches Gejandl ..)
Zahlreiche Hörbücher und CDs: „Wölflisches Gejandl einer bayerischen Schwittersmutter” – Wolfram Berger x4, „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil, „Verdi“ von Franz Werfel, „Beichte eines Mörders“ von Joseph Roth, “Die Großherzogin von Gerolstein” von J. Offenbach / Karl Kraus, u.a.

Ensemble Leones

– Musik

Besetzung Klangraum Dobra 2021:
Sabine Lutzenberger – Gesang
Matthieu Romanens – Gesang
Baptiste Romain – Fidel, Rebec, Dudelsack
Caroline Ritchie – Viola d’arco, Renaissancegambe
Marc Lewon – Laute, Quinterne, Gesang; Leitung

Das auf Frühe Musik spezialisierte Ensemble Leones hat sich unter Leitung von Marc Lewon über die Jahre einen exzellenten Ruf bei Publikum und Fachpresse erarbeitet.

Hier sind ausnahmslos Spezialisten am Werk, die ihre Arbeit durch genaue Kenntnis der originalen Quellen und eine verinnerlichte Vertrautheit mit den historischen Musikstilen untermauern und ihre Konzerte gleichzeitig zu einem virtuosen und lebendigen Klangerlebnis machen.

Ein Markenzeichen ist die Entdeckung bislang unbekannter Werke aus Mittelalter und Renaissance. Hier setzt das Ensemble Leones mit Pionierarbeit und Neuinterpretationen in ihren Konzerten und von der Kritik ausgezeichneten CD-Einspielungen – Preisträger des International Classical Music Awards 2016 – neue ästhetische Akzente.

Das Ensemble, dessen Mitglieder unter anderem der Talentschmiede der Schola Cantorum Basiliensis, der berühmten Schweizer Hochschule für Alte Musik entstammen, konzertiert mit großem Erfolg auf den Bühnen renommierter Festivals wie dem Stockholm Early Music Festival, dem Heidelberger Frühling, RheinVokal, den Niedersächsischen Musiktagen, Oude Muziek Utrecht, oder AMUZ/Laus Polyphoniae in Antwerpen.

www.leones.de
www.facebook.com/ensemble.leones