Narren

Freitag 02.07.2021 20:30 Uhr
Michael Köhlmeier – Erzählung Ensemble Leones – Musik

Ruine Dobra
3594 Franzen
Waldviertel

 

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Der Schriftsteller Michael Köhlmeier ist ein begnadeter Erzähler. Geschichten klettern gesichert mit seinen Worten unmittelbar ins Ohr. Ins Innere. Diesmal hat er für Dobra die Welt der Narren im Gepäck. Mit den Unbedarften durchstreift er die Menschheitsgeschichte von der Antike bis zu König Lears Narren („Wo ist mein Bursch, mein Narr? – Geh‘ einer und ruf‘ mir meinen Narren her!“).

Und gerade in Dobra darf der wohl keckste von allen nicht fehlen: Till Eulenspiegel. Ein streunender Schelm des 14. Jahrhunderts, der sich dumm gab, doch gerissen seinen Mitmenschen egal welchen Standes Schabernack vor die Füße warf. Aus der Narrenkappe hervorlugt und
sich in der nihilistischen Figur des Joker, Gegenspieler des dunklen Ritters Batman, wiederfindet. Er treibt die Ironie auf die Spitze seiner Klinge und parodiert seine Gegner damit messerscharf. Giuseppe Verdis Musik zu Rigoletto kommt einen in den Sinn. Doch ist es die Vorlage „Le roi s’amuse“ von Victor Hugo. Donald Duck wird im Disney-Micky Mouse-Imperium zum heldhaften, verlachten Narren des Scheiterns. Eine Art Pechvogel. Wie einst Hephaistos aus Köhlmeiers Antiken-Schatz der Irrungen und Wirrungen. Der hässliche, hinkende Gott des Feuers und der Schmiedekunst überlistet seine Frau Aphrodite samt deren Liebhaber Ares. Er wirft ein Netz über den heimlichen Liebesakt. Was folgte war das „homerisches Gelächter“ der Götter. Und sonst? Wie verhält es sich in der Religion? „Der Teufel ist der Narr Gottes“ – ein Zitat aus der Gnadenlehre des Heiligen Augustinus trifft ebenso auf den Narren eines Diktators, Josef Stalin sein Name. Blutspuren. Die Schweißperlen der Macht und ihre schwitzende Grausamkeit läuft in ein weißes, leeres Gelächter – es bleibt im Halse stecken. Selbst Luzifer, „der Träger des Lichtes“ erlischt. Narren werfen uns auf uns selbst zurück. Lächelndes Aufatmen. Es sind Geschichten in der Mitte des Alters.

Im Zentrum des ersten Abends steht die Musik zum „Roman den Fauvel“: ca. 1316 in Paris entstanden erzählt er der Aufstieg eines politischen Emporkömmlings, der von Fortuna höchstpersönlich auf den französischen Thron gesetzt wird. Fast alle Hauptpersonen der Geschichte sind Allegorien: der Emporkömmling namens „Fauvel“ ist ein Pferd und Fortuna, sowie andere Tugenden und Laster treten als Personifikationen auf. Diese Fabelgeschichte ist in einer „Multi-Media-Handschrift“ überliefert, die den Text reich bebildert und mit kommentierenden Musikstücken durchsetzt, in der die Schreckensvision einer „verkehrten Welt“ voller Torheit heraufbeschworen wird.

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass am Veranstaltungsort Fotos und/oder Videos angefertigt und zu Zwecken der Dokumentation der Veranstaltung veröffentlicht werden können.

Michael Köhlmeier

– Erzählung

Michael Köhlmeier wurde 1949 in Hard am Bodensee geboren und wuchs in Hohenems/Vorarlberg auf. In den Jahren 1970 bis 1976 studierte er Germanistik und Politologie in Marburg, anschließend Mathematik und Philosophie in Gießen.

1982 erschien sein Debütroman „Der Peverl Toni und seine abenteuerliche Reise durch meinen Kopf“, ihm folgten Romane, Erzählungen, Novellen. Zuletzt „Der Mann, der Verlorenes wiederfindet“, eine Novelle über den heiligen Antonius von Padua.

Bekannt wurde Köhlmeier dem breiten Publikum durch Rundfunk- und TV-Sendungen, in denen er die Sagen des klassischen Altertums, aber auch biblische Geschichten und das Nibelungenlied neu erzählte.

Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis und dem Konrad-Adenauer-Preis.

Michael Köhlmeier ist mit der Schriftstellerin Monika Helfer verheiratet und lebt in Hohenems und in Wien.

Ensemble Leones

– Musik

Besetzung Klangraum Dobra 2021:
Sabine Lutzenberger – Gesang
Matthieu Romanens – Gesang
Baptiste Romain – Fidel, Rebec, Dudelsack
Caroline Ritchie – Viola d’arco, Renaissancegambe
Marc Lewon – Laute, Quinterne, Gesang; Leitung

Das auf Frühe Musik spezialisierte Ensemble Leones hat sich unter Leitung von Marc Lewon über die Jahre einen exzellenten Ruf bei Publikum und Fachpresse erarbeitet.

Hier sind ausnahmslos Spezialisten am Werk, die ihre Arbeit durch genaue Kenntnis der originalen Quellen und eine verinnerlichte Vertrautheit mit den historischen Musikstilen untermauern und ihre Konzerte gleichzeitig zu einem virtuosen und lebendigen Klangerlebnis machen.

Ein Markenzeichen ist die Entdeckung bislang unbekannter Werke aus Mittelalter und Renaissance. Hier setzt das Ensemble Leones mit Pionierarbeit und Neuinterpretationen in ihren Konzerten und von der Kritik ausgezeichneten CD-Einspielungen – Preisträger des International Classical Music Awards 2016 – neue ästhetische Akzente.

Das Ensemble, dessen Mitglieder unter anderem der Talentschmiede der Schola Cantorum Basiliensis, der berühmten Schweizer Hochschule für Alte Musik entstammen, konzertiert mit großem Erfolg auf den Bühnen renommierter Festivals wie dem Stockholm Early Music Festival, dem Heidelberger Frühling, RheinVokal, den Niedersächsischen Musiktagen, Oude Muziek Utrecht, oder AMUZ/Laus Polyphoniae in Antwerpen.

www.leones.de
www.facebook.com/ensemble.leones