Utopie der Geschlechter

Sonntag 30.06.2019 18:00 Uhr
Maria Köstlinger – Rezitation Ensemble Moirai – Musik Ensemble Rumorum – Musik

Ruine Dobra
3594 Franzen
Waldviertel

 

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Der Schriftstellerin Christine de Pizan gelang mit „Le Livre de la Cité des Dames“, „Die Stadt der Frauen“ ihr erster großer Wurf. Utopisch und in Anbetracht der Erstehungszeit ziemlich schräg und cool. Sie schreibt: „Diejenigen, die Frauen aus Missgunst verleumdet haben, sind Kleingeister, die zahlreichen ihnen an Klugheit und Vornehmheit überlegenen Frauen begegnet sind. Sie reagierten darauf mit Schmerz und Unwillen, und so hat ihre große Missgunst sie dazu bewogen, allen Frauen Übles nachzusagen …“

Maria Köstlinger liest aus „Die Stadt der Frauen“

Eine Pionierin! Christine de Pizan war eine französische Schriftstellerin und Philosophin. Eine erste Bestsellerautorin! Mit „Le Livre de la Cité des Dames“, „Die Stadt der Frauen“, gelang ihr ein großer Wurf. Utopisch und in Anbetracht der Erstehungszeit ziemlich schräg und cool. Sie schreibt: „Diejenigen, die Frauen aus Missgunst verleumdet haben, sind Kleingeister, die zahlreichen ihnen an Klugheit und Vornehmheit überlegenen Frauen begegnet sind. Sie reagierten darauf mit Schmerz und Unwillen, und so hat ihre große Missgunst sie dazu bewogen, allen Frauen Übles nachzusagen … Da es aber kaum ein bedeutendes Werk eines angesehenen Verfassers gibt, das nicht Nachahmer fände, so gibt es gar manche, die sich aufs Abschreiben verlegen. Sie meinen, das könne gar nicht schiefgehen, da andere bereits in ihren Büchern das gesagt haben, was sie selbst sagen wollen – wie etwa die Frauenverunglimpfung; von dieser Sorte kenne ich eine ganze Menge.“

Margarete Zimmermann, Verfasserin einer Biografie über Christine de Pizan, bemerkt: „Die ,Allegorie der Vernunft‘ steht für Frauen als vorbildliche Herrscherinnen. Sie fördern die Wissenschaften und die Künste. Die ,Allegorie der Rechtschaffenheit‘ repräsentiert vorbildliche Frauen in Familie, Ehe und Gesellschaft. Die ,Allegorie der Gerechtigkeit‘ vollendet die Errichtung der ,Stadt der Frauen‘. Eine solche Stadt, meint Christine, gelte es zu bewahren und zu verteidigen.“ Eine Zeitgenossin einer anderen starken Frau, der „Jungfrau von Orléans“. Eine Vision auf der einen, eine Utopie auf der anderen Seite. Eine Frauenrechtlerin avant la lettre. Maria Köstlinger verleiht der Utopie ihre Stimme. Man kennt sie aus Film, Funk und Fernsehen. Eine breite Masse aus der Kultserie „Die Vorstadtweiber“ – Gegensätzliches schärft die Sinne.

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass am Veranstaltungsort Fotos und/oder Videos angefertigt und zu Zwecken der Dokumentation der Veranstaltung veröffentlicht werden können.

Maria Köstlinger

– Rezitation

Maria Köstlinger wurde in Schweden als Tochter eines Opernsängers geboren und wuchs in Salzburg auf. Schon als Kind spielte sie am Salzburger Landestheater.

Nach ihrer Schauspielausbildung wurde Maria Köstlinger ins Ensemble des Kleinen Theaters Salzburg engagiert. Von 1992 bis 1996 spielte sie am Salzburger Landestheater, wo sie u. a. in „Liliom“ als Marie und in Mrozeks „Tango“ als Ala auf der Bühne stand. Für die Salzburger Festspiele besetzte sie Peter Stein als Salchen in „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ und als Spielansager im „Jedermann“.

Ihr Debüt am Theater in der Josefstadt war die Corie in „Barfuß im Park“ 1996. Es folgten die Viola in „Was ihr wollt“, die Elisabeth in „Glaube, Liebe, Hoffnung“ und die Rosalie in „Höllenangst“ an der Seite ihres Mannes Karlheinz Hackl. Mit ihm als Partner wagte sie auch einen Ausflug ins Musical, „Mizzis und Strizzis“ im Metropol. Bei den Sommerfestspielen Reichenau beeindruckte sie in der Regie von Otto Schenk als Christine in Schnitzlers „Liebelei“.

Ihre letzten Rollen in der Josefstadt: Cheristane in „Der Verschwender“, Helene in „Der Schwierige“, Amelia in „Der große Zauber“, Hippolyta in „Ein Sommernachtstraum“, Mabel Chiltern in „Ein idealer Gatte“, Clarisse in „Der Mann ohne Eigenschaften“, Melitta in „Sappho“, Hero in „Viel Lärm um Nichts“, Julie in „Liliom“, die Titelrollen in „Fräulein Else“ und „Nora“ sowie die Hedwig in „Das vierte Gebot“, Helene in „Das Fest“, Tourvel in „Gefährliche Liebschaften“, Anna in „Der jüngste Tag“, Natalja Petrowna in „Ein Monat auf dem Lande“, Una in „Blackbird“, Fanny Wilton in „John Gabriel Borkman“, Hedda Tesman in „Hedda Gabler“, Gabriella in „Wie im Himmel“, Kafka in „Kafka“, Josefine Schönberg in „Totes Gebirge“, Judith in „Heilig Abend“, Henriette Stein in „Der Engel mit der Posaune“, Emma Bovary in „Madame Bovary“ und Irene Herms in „Der einsame Weg“.

Für ihre Rolle als Una in „Blackbird“ wurde Maria Köstlinger 2011 für den Theaterpreis „Nestroy“ nominiert.

Auch in mehreren Film- und Fernsehproduktionen hat Maria Köstlinger bereits mitgewirkt. So war sie in der TV-Serie „Kommissar Rex“ zu sehen und übernahm eine Episoden-Hauptrolle in „Sinan Toprak – Der dreifache Salamander“.
Im November 2002 drehte sie in der Regie von Andreas Prochaska den Psychothriller „Ausgeliefert“ mit Harald Krassnitzer in der männlichen Hauptrolle, anschließend war sie in „Silentium“ zu sehen. In der Serie „Der Winzerkönig“ spielte sie abermals eine Hauptrolle an der Seite von Harald Krassnitzer.
Aktuell ist Maria Köstlinger in der Fernsehserie „Vorstadtweiber“ zu sehen.

Ensemble Moirai

– Musik

Moirai ist ein Ensemble, das sich auf die historisch informierte Aufführung der Musik des Früh- und Hochmittelalters spezialisiert. Das Ensemble wurde von Sängerin Hanna Marti und Flötistin Mara Winter in Reykjavík im Oktober 2015 gegründet: Dort trafen sich die zwei Musikerinnen, um den Gesängen und Geschichten der mittelalterlichen Edda nachzuforschen.

Moirais musikalisches Arbeitsgebiet umfasst eine große Bandbreite an historisch fundierten und musikwissenschaftlich spezialisierten Konzertprojekten. Je nach Programm werden weitere Musiker und Musikerinnen beigezogen. Die Musik findet das Ensemble direkt in den uns überlieferten Manuskripten, doch Moirai will der mittelalterlichen Musikkultur noch näherkommen: Ein Hauptfokus richtet sich auf das Re-Kreieren von mittelalterlicher Musik, die im Mittelalter gesungen und gespielt, jedoch nicht niedergeschrieben wurden. Stattdessen waren diese Stücke Teil eines gesungenen Repertoires, das mündlich von SängerIn zu SängerIn weitergegeben wurde und so mehreren Generationen erhalten blieb, ohne dass es je nötig war, das Stück zu notieren. Mit dem Bruch einer solchen mündlichen Tradition sind ihre Lieder verstummt und sind uns nur als Texte, zum Teil mit einigen schematischen Erinnerungshilfen zur Melodie, überliefert.

Um plausible Rekonstruktionen solcher „verstummter Lieder“ finden zu können, befasst sich Moirai zuerst eingehend mit dem musikalischen (und künstlerischen) Stil der Zeit und des Ortes. Durch die Analyse von uns bekannten Stücken und/oder verwandten Traditionen kreiert das Ensemble eine Art Compendium musikalischer Materialien und Gesten – eine Art Vokabular und Syntax. Dieses Compendium dient dann dazu, ein stilistisch kohärentes Musikstück zu re-kreieren. Moirai arbeitet in diesem Prozess normalerweise ohne moderne Musik-Notation, um möglichst nahe an den Arbeitsmethoden der mittelalterlichen Musikszene zu bleiben.

Mit dieser Methode gelingt es Moirai, eine verstummte musikalische Tradition wieder zu beleben. Indem das Ensemble ohne musikalische Notation, sondern nur mit den Texten und einigen mnemonischen Notizen zur Melodie arbeitet, nähert sich Moirai dem kreativen Prozess und der Gedankenwelt des mittelalterlichen Musikers/der mittelalterlichen Musikerin an.

Moirai wird geleitet von Mara Winter und Hanna Marti.

Besetzung Klangraum Dobra 2019 (Partnerprojekt Ensemble Moirai und Ensemble Rumorum):
Hanna Marti, Gesang und Harfe
Grace Newcombe, Gesang und Harfe
Ozan Karagöz, Gesang
Mara Winter, Flöten und Gesang
Félix Verry, Fidel

www.moirai-ensemble.com
www.facebook.com/moiraiensemble

Ensemble Rumorum

– Musik

Rumorum, unter der Leitung von Grace Newcombe, ist ein gemischtes Vokal- und Instrumentalensemble, welches sich auf Musik aus dem 12. bis 15. Jahrhundert spezialisiert hat.

Unter anderem hat Rumorum, seit der Gründung im Jahre 2015, zwei Preise vom York International Young Artists Competition ergattert (2017), eine Tournee durch die Niederlande zum Festival Oude Muziek durchgeführt (2018) und wurde als Emerging European Ensemble im Rahmen des EEEmerging-Programms ausgewählt (2018-heute).

Besetzung Klangraum Dobra 2019 (Partnerprojekt Ensemble Moirai und Ensemble Rumorum):
Hanna Marti, Gesang und Harfe
Grace Newcombe, Gesang und Harfe
Ozan Karagöz, Gesang
Mara Winter, Flöten und Gesang
Félix Verry, Fidel

www.rumorum.com
www.facebook.com/rumorum